Schreiben

4.5.2016

Als Robert Galbraith seinen Kriminalroman "The Cuckoo's Calling" an mehrere Buchverlage schickte in der Hoffnung auf Veröffentlichung, erhielt er freundliche, aber bestimmte Absagen. Das ist nichts Weltbewegendes, sondern Alltag für Autoren.

Das Verlagshaus Constable & Robinson schrieb, es sehe keinen kommerziellen Erfolg mit dem Roman. Galbraith möge doch in einem Buchladen oder im Verlagsführer nachsehen, wer seine Art von Romanen verlegt. Außerdem gäbe es ja Autorenforen oder Schreibkurse, die das Werk einer Würdigung unterziehen könnten.

Der Creme de la Crime Verlag wiederum schrieb, man sei im Moment nicht in der Lage, Manuskripte zu prüfen, da der Verlag gerade von Severn House Publishers übernommen worden sei.

Nach mehreren Anläufen druckte schließlich der Sphere Books Verlag das Erstlingswerk von Robert Galbraith. Es wurden 1500 Hardcover-Versionen verkauft.

Erst als die Sunday Times aufgrund einer Indiskretion bekannt gab, dass Robert Gailbrath ein Pseudonym von Joanne K. Rowling ist, schossen die Verkaufszahlen in die Höhe.

Nach der Geburt ihrer ersten Tochter in Portugal, wo sie als Lehrerin gearbeitet hatte, kehrte J.K. Rowling im Jahr 1993 als alleinerziehende Mutter nach England zurück. Vier Jahre lang lebte sie von Sozialhilfe unter dürftigsten Bedingungen. Es waren ihre grim years. In dieser Zeit schrieb sie <Harry Potter und der Stein der Weisen>. Sie engagierte einen Literaturagenten, der ihr Buch verschiedenen Verlagen anbot, ohne Erfolg. Schließlich nahm der Verlag Bloomsbury Publishing das Manuskript an (nachdem er es zunächst abgewiesen hatte) und druckte 1997 eine erste Auflage von 500 Exemplaren.

Die spätere Gesamtauflage von Rowlings Potterbüchern beläuft sich auf 400 Millionen Exemplare.

Joanne K. Rowling, Autorin von Der Stein der Weisen, Die Kammer des Schreckens, Der Gefangene von Askaban, Der Feuerkelch, Der Orden des Phönix, Der Halbblutprinz, die Heiligtümer des Todes gilt als die reichste Frau Englands. Sie ist Ehrenbürgerin von London und lebt mit ihrer Familie in Edinburgh, Schottland.

Was lernen wir daraus?

Eine Strategie für den Erfolg könnte sein, Romane unter Pseudonym zu schreiben und einzureichen, und erst später die wahre Identität der staunenden Öffentlichkeit preiszugeben. Dafür gibt es keine Erfolgsgarantie, denn die wahre Identität des Autors oder der Autorin ist der Öffentlichkeit möglicherweise völlig schnuppe.

Die vielleicht bessere Strategie ist es, sehr gute Romane zu schreiben, die das Lesepublikum wahnsinnig interessant findet. Es gibt ePublishing Plattformen (z.B. epubli.de), auf denen man sein literarisches Werk fast kostenlos veröffentlichen kann. Wenn es dann vereinzelt Interessenten gibt, die schon mal 2,95 Euro für die Ebook-Version bezahlen (davon 20 Cents Autorenhonorar), könnte man von einem gewissen Erfolg sprechen.

Generell ist es natürlich so, dass viel zu viel geschrieben wird. Man verdient Geld eher auf YouTube, siehe Bibi, mit kurzen Filmen, die vom Publikum viel eher goutiert werden als die langwierig zu verzehrenden Texte eines in endlose Buchstabenreihen gegossenen Romans.

Der Ratgebertipp: man nehme einen belanglosen und an sich völlig wertlosen Actionfilm und unterlege diesen mit dem Romantext in der Untertitelzeile. Wenn das Auge des Filmbetrachters ermüdet vom permanenten Combatgeschehen abgleitet bis zur Untertitelzeile, dann erfolgt die Rezeption Ihres Romans auf ganz neue Weise.

Nachtrag:

Zu ihrer Schriftstellerkarriere als Robert Galbraith sagt Joanne K. Rowling auf ihrer Website:

Ich hatte gehofft, dieses Geheimnis noch etwas länger hüten zu können, weil Robert Galbraith eine wirklich befreiende Erfahrung war! Es war einfach schön, die Veröffentlichung ohne diesen Hype und ohne diese Erwartungen erleben zu können, und es war eine große Freude, die Resonanz der Verleger und Leser unter einem anderen Namen zu erhalten. Das Gute an der Tatsache, erkannt worden zu sein, ist, dass ich meinem Redakteur und bei dem Krimi wirklich guten Partner David Shelley sowie allen Mitarbeitern von Little, Brown, die ohne das Wissen, dass das Buch von mir stammt, sehr hart an The Cuckoo's Calling gearbeitet haben, und allen Autoren und Kritikern aus Presse und Onlinemedien, die den Roman überaus wohlwollend angenommen haben, öffentlich danken kann. Und jenen, die nach einer Fortsetzung gefragt haben, kann ich sagen, dass Robert die Reihe fortzusetzen beabsichtigt, obwohl er persönliche Auftritte wahrscheinlich weiterhin ablehnen wird.

Quelle: http://www.bbc.com/news/entertainment-arts-35899243
Siehe auch bei: https://de.wikipedia.org/wiki/Joanne_K._Rowling

Nachtrag 5.4.2017:

Joanne K. Rowling wandte sich vor kurzem an Nachwuchsautoren mit folgenden Worten:

"Selbst wenn niemand eure Texte liest, lehrt euch das Schreiben etwas, was ihr sonst nirgendwo lernt. Auf die Disziplin, die es braucht, einen Text zu schreiben, kann jeder Autor stolz sein".

Quelle: Twitter / Hamburger Abendblatt 5.4.2017, S.28.

Nachtrag 11.7.2017

"Das Partymotto meines 50. Geburtstags war <Komm als dein persönlicher Albtraum> - und ich kam als verloren gegangenes Manuskript", sagte J.K.Rowling in einem CNN-Interview.

Jeder weiß, was es bedeutet, mühsam zusammengetragene Notizen für einem Roman zu verlieren - es ist ein Albtraum! Noch schlimmer ist der Verlust eines Manuskripts, was jedoch heutzutage selten vorkommt, denn man hat sein Manuskript natürlich in der Cloud. Trotzdem: Joanne erschien auf ihrer Geburtstagsparty in einem Kleid, auf das sie die Notizen zu einem Märchen geschrieben hatte.

Das war natürlich ein symbolischer Akt, denn die Notizen hat sie nicht verloren. Das Kleid hängt in ihrem Kleiderschrank.

Bemerkenswert ist jedoch, dass Joanne, die ja ein gewöhnliches Muggle, also ein Wesen ohne jede Zauberkraft ist, zu jeder Zeit magische Worte in die Welt zu setzen vermag: "Komm als dein persönlicher Albtraum". Welche Suggestionskraft! Sie schlägt dich in ihren Bann, du kannst nicht entkommen.

Quelle: https://www.morgenpost.de/vermischtes/stars-und-promis/article211208525/J-K-Rowling-bastelte-Party-Kostuem-aus-Manuskript.html

Nachtrag 18.9.2018

Robert Galbraith, ein „guter Freund von Joanne K. Rowling“, ist bekannt geworden durch seine Cormoran Strike Serie von Kriminalgeschichten. Der erste Roman „Cuckoo’s Calling“ war schon ein Bestseller. Nun erscheint der vierte Roman mit dem Titel „Lethal White“.

In einem fiktiven Interview spricht Robert Galbraith über seine Vergangenheit. „Ich arbeitet früher bei der zivilen Special Investigation Branch (S.I.B.) der Militärpolizei. Nachdem ich die Armee verlassen hatte und während ich an meinem ersten Roman schrieb, arbeitete ich im Bereich der privaten Sicherheit, was durchaus erklärt, warum ich ungern photographiert oder interviewt werde oder an Treffen teilnehme - einfach damit meine fast unheimliche Ähnlichkeit mit j.K. Rowling nicht auffällt.“

Diese Ähnlichkeit, die ja in Wirklichkeit eine Identität ist, gib uns einen authentischen Einblick in die Arbeitsweise des Autors bzw. der Autorin. Er ist eher ein Planer von Geschichten mit vorher festgelegtem Verlauf und Ende - ein „Plotter“ im Gegensatz zum „Pantser“. Letzterer arbeitet stetig aber ziellos an seinen Eingebungen entlang. „Meine initiale Inspiration mag eine einfache Idee ohne Start oder Ziel sein, aber ich fange nie zu schreiben an ohne genau zu wissen, wohin die Reise geht.

Robert Galbraith, befragt zu seinen Plänen, sagt: „I’ll definitely write more Cormoran Strike novels. I’ve already got the plot of the next one. And my good friend J.K. Rowling is writing a new (non-Potter) children’s book and is also working on the third Fantastic Beasts screenplay."

Quellen:
https://www.nytimes.com/2018/09/16/books/robert-galbraith-jk-rowling.html?action=click&module=Top%20Stories&pgtype=Homepage
https://robert-galbraith.com/about/

2019:
https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article186139252/Cormoran-Strike-So-gut-ist-der-neue-Thriller-von-Joanne-K-Rowling.html